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Zinn ist eines der altesten Metalle, die sich der Mensch
schon seit etwa fuenf Jahrtausenden nutzbar macht. Zinn, mit Kupfer legiert,
hat als Bronze einem ganzen Zeitalter seinen Namen gegeben.
Im Mittelalter, als es im Erzgebirge noch reiche
Zinnvorkommen gab, verdraengte das Zinngeschirr die irdenen und hoelzernen
Teller und Schuesseln aus Burger- und Bauernstuben. Zinn zum Tischgebrauch
ist also schon seit Jahrhunderten bekannt.
In vielen Gaststaetten werden heute wieder Speisen und
Getraenke in Zinn serviert. Auch zu Hause sollten Sie das versuchen. Tragen
Sie doch einmal nach altem Brauch Wuerste und Kraut, Brot und Kaese oder einen
Braten Zinntellern und in Zinnschuesseln auf. Wie herrlich frisch und kuehl
schmecken Bier und Wein aus zinnernen Bechern und Kruegen. Zinn erhalt das
Aroma. Koestlich duften Kaffee und Tee aus der sich lange heisshaltenden
Zinnkanne. Das Zinngeschirr auf Ihrem Tisch wird eine festliche Atmosphaere
schaffen und Ihnen als Gastgeber Bewunderung einbringen.
Zinnteller und Zinnkannen strahlen durch ihren
mattschimmernden Behaglichkeit und Waerme aus und zaubern Gemuetlichkeit in
Ihr Heim.
Hochwertiges Zinn traegt das
Handwerkssiegel
Bei dem heute grossen Zinnsortiment faellt es nicht leicht,
die richtige Wahl zu treffen. Um dem Kunden den Kauf von gutem Zinn zu
erleichtern, hat die Innung des Zinngiesserhandwerks ein Qualitaetszeichen
geschaffen, das Handwerkssiegel.
Dieses Handwerkssiegel garantiert den unbedenklichen
Gebrauch von Zinn fuer Speisen und Getranke durch die Verwendung einer
Metallegierung nach DIN 17810.
Es bietet die Gewaehr dafuer, dass die Gegenstaende massiv
gegossen nach alter Handwerkstradition verarbeitet sind.
Unsere Meisterwerkstaetten bemuehen sich besonders um
Stilreinheit der verwendeten Formen.
Bei Zinn mit dem Handwerkssiegel kann der Kaeufer siecher
sein, keine billige, industriell gefertigte Massenware zu erhalten.
Der Zeichen auf Ihre Zinn Produkten koennen Sie vertrauen.
Es heisst Das Handwerkssiegel der Zinngiesserinnung!
Gutes Zinn, ein Wert fuer Generationen
Wenn man weiss, dass Konservendosen, Back- und Kochgeschirr
verzinnt sind, wird man leicht einsehen, dass qualitativ hochwertiges
Zinngeschirr unbedenklich im Gebrauch mit Speisen und Getraenken ist. Zinn
ist geruchs- und geschmacksneutral.
Leider haben in den letzten Jahren einige branchenfremde
Hersteller versucht, sogenanntes Zinngeraet moeglichst billig anzubieten, und
dabei Materialien verwendet, die nicht den Anforderungen des deutschen
Lebensmittel- und Bedarfsgegenstaendegesetzes entsprechen. Die
Bezeichnungsregelung RAL-RG 683 des Ausschusses fuer Lieferbedingungen und
Guetesicherung besagt, dass als Zinn nur bezeichnet werden darf, was einen
Mindestgehalt von 90% Zinn aufweist. Bei weniger als 90% darf es nur als
Zinnliegierung bezeichnet werden, und aus diesem Material darf kein
Gebrauchsgeschirr hergestellt werden.
Unsere Innungsbetriebe, die das Handwerkssiegel verwenden,
haben sich durch eidesstattliche Verpflichtung der DIN-Norm 17810
unterworfen, die noch wesentlich strengere Massstaebe ansetzt und eine
Beimengung schaedlicher Stoffe praktisch ausschliesst.
Zinn hat von Natur aus eine mattsilbrige Farbe. Im Laufe
der Zeit und durch den Gebrauch entsteht wie bei jedem Metall, so auch bei
Zinn, durch Luftoxydation eine geringe Nachdunklung. Diese natuerliche Patina
wie sie vielen alten Zinngerăten eigen ist, wird von Kennern geschaetzt, da
sie eine angenehme Waerme ausstrahlt. Eine kuenstliche, chemisch
hervorgerufene Patina soll dem Gegenstand ein vorzeitig antikes Aussehen
verleihen. Dies stellt keineswegs eine Wertsteigerung dar, sondern ist eine
Frage des persoenlichen Geschmacks.
Dem Zinngiesserhandwerk ist es fremd, einmalige
Massenauflagen auf den Markt zu werfen. Im allgemeinen bleibt unserem Kunden
die Nachlieferung von Gegenstaenden bestimmter Formen auf lange Jahre hinaus
gesichert. Wenn Sie Ihr Service bzw. Ihre Sammlung Stueck fuer Stueck
komplettieren wollen, so ist die Ergaenzung meist probemlos.
Mit einem Monogramm oder einer persoenlichen Widmung
versehen, ist Zinn ein ganz besonderes Geschenk zu vielen Anlaessen, wie
Ehrungen, Jubilaeen und Hochzeiten. Solche Dinge gewinnen von Jahr zu Jahr
Wert und Schoenheit, wecken Erinnerungen und koennen als stolzer
Familienbesitz von Generation zu Generation weitervererbt werden.
Zinnmarken und Stempel
Im 14. und 15. Jahrhundert wurden die Qualitaetszeichen
von hoheitlich eingesetzten Pruefern in die fertigen Zinngeraete eingeschlagen.
Hierbei wurde meist neben dem jeweiligen Stadtzeichen das entsprechende
Meisterzeichen eingepraegt. Spaeter stempelten die Zinngiesser ihre Erzeugnisse
selbst, und die Zuenfte wachten ueber die Einhaltung der
Legierungsvorschriften. Zu diesem Zeitpunkt entwickelten sich auch immer
mehr spezielle Qualitaetszeichen fuer gutes Zinn, wie z.B. die Marken mit Rose
und Krone und etwa ab dem Beginn des 18. Jahrhunderts der weithin bekannte
Engelstempel. Dieser Engel, meist mit Waage und Schwert, sollte den Erzengel
Michael als Symbol der Gerechtigkeit darstellen.
Aus Traditionsbewusstsein benutzen auch heute noch viele
unsere Zinngiessereien diese alten Zeichen zusammen mit Initialen oder Namen
als Firmenmarken.
Die Verwendung des Engelstempels unterliegt heute keiner
Kontroller mehr, sodass leider Industriebetriebe dieses Zeichen auch auf
Gegenstaenden anbringen, die lediglich ein zinnfarbenes AEusseres besitzen.
Solche Gegenstaende werden oft unter Begriffen wie “Zierzinn“ oder “Dekozinn“
vertrieben. Dies ist jedoch nach der Bezeichnungsregelung RAL-RG 683 nicht
zulaessig.
Die Zinngiesserinnung hat deshalb im jahre 1973 das
Handwerkssiegal als neues Qualitaetszeichen fuer hochwertiges Zinn geschaffen.
Stilkunde
Was heute in vielen Schaufenstern und Regalen an
Zinnwaren oft von berufsfremden Herstellern angeboten wird, zeigt vielfach
ein verwirrendes Durcheinander von Stilkombinationen.
Da sind am gleichen Gegenstand Einzelteile, wie Koerper,
Henkel und Deckel, aus mehreren Stilarten vereint. Zu Recht fordert der
anspruchsvolle Kunde bewusst neben einer guten Qualitaet auch
Stilgerechtigkeit.
Wie alle kunsthandwerklichen Erzeugnisse war auch Zinn
einem Wechsel der Stilrichtungen unterworfen. Jedoch ist eine strenge
zeitliche Trennung nicht moeglich, wie das bei der Architektur oder der
Malerei der Fall ist.
Da zu allen Zeiten die Anfertigung der Giessformen
aufwendig und kostspielig war, haben die Zinngiesser ihre Formen sehr lange
genutzt, so dass die UEbergaenge zu neuen Stilrichtungen oft fliessend sind.
Einige unserer Meisterwerkstaetten verfuegen ueber ein reichhaltiges
Formensortiment aus frueheren Jahrhunderten. Deshalb koennen auch heute noch
Nachbildung alter Originale gefertigt werden. Der grosstmoeglichen
Stilreinheit eines Zinngegenstandes gilt das Bemuehen unserer Meister, die
durch ihre Fachkenntnis auch besonders befaehigt sind, antike Stuecke zu
reparieren und zu restaurieren.
In den letzten Jahren schufen namhafte Meisterwerkstaetten,
zum Teil in Zusammenarbeit mit bekannten Designern, angetrieben von dem
Willen, neue, moderne Formen zu gestalten, zeitgemaess funktionales Zinngeraet.
Zur Bestimmung typischer Stilmerkmale soil Ihnen folgende
UEbersicht dienen. Darueber hinaus sind lhnen unsere Innungsbetriebe gerne
fachkundige Berater.
Gotik- Glatte gedrungene Formen mit meist breiter
Standflaeche, Grundkoerper wenig unterteilt, neben bauchigen Trink und
Schenkgefaessen wenig anderes Geschirr bekannt, Ornamentik fast nur auf
Henkelverzierung beschraenkt
Renaissance- Anfangs start mit figuerlichen und
ornamentalen Reliefs verziert, spaeter glattere Grundkoerper und breitrandige
Teller vielfach mit reichen Gravierungen. Typisch z.B. das sogenannte "Nuernberger
Edelzinn".
Barock- Glattere und strengere Formen, wenig verziert, z.B. mit
eingeschlagenen Punzenmustern, Koerper durch sparsames kraeftiges Rippendekor
unterteilt.
Rokoko- Formen aehnlich wie im Barock, jedoch leichter,
beschwingter, mit verspielt welligen, unsymmetrischen Rippen, Gestaltung oft
Silbergeschirr aehnlich
Empire- Klassizismus und sogenanntes Louis-Seize mit haerter
wirkenden Konturen, zum Teil an die Antike angelehnt, von Frankreich her
beeinflusst, mit Friesbaendern, Akanthusranken, Frucht- und Blumengehaengen
verziert, teilweise bemalt.
Biedermeier- Grundkoerper aehnlich wie in Barock und im Empire,
jedoch einfacher, ruhiger, fast keine Verzierung, gediegenes
Gebrauchsgeschirr.
Historismus- auch Altdeutscher- oder Makartstil. Grundformen aus
vielen Stilepochen, hauptsaechlich der Renaissance entlehnt, meist ueberreich
mit Reliefornamentik, oft figuerlichen Darstellungen verziert.
Jugendstil- Koerper oft unsymmetrisch, bildhafte leicht-plastische
Reliefausschmueckung, naturalistisch nachempfundene Pflanzen- und Tiermuster,
die oft als Griff oder Henkel aus der Form heraustreten. Gestaltung vielfach
von namhaften Kuenstlern der Zeit. Typisch fuer diesen Stil ist das sogenannte
Kayser-Zinn.
Gegenwart- Ab etwa 1920 sehr strenge, fast geometrische Formen,
klare, sachliche, von der Funktion bestimmte Linien, sparsamste Ornamentik.
Oberflaechen manchmal unregelmaessig aufgerauht, einfache Drehdekore, durch
verschiedenartige Farbtoenungen (Hochglanz, Mattglanz, Schwaerzung)
unterbrochene Flaechen.
Kannengiesserzunft - Zinngiesserinnung
Zinn wird schon in den aeltesten literarischen Dokumenten
des Abendlandes z. B. Bei Homer erwaehnt. Der roemische Dichter Plautus
schreibt in seinen Komoedien, dass speisen in Gefaessen aus Zinn serviert wurden.
Von solchen antiken Zinngefaessen fand man bei Ausgrabungen jedoch nur
fragmente. Die ersten vollstaendig erhaltenen Zinngefaesse stammen aus dem 2.
bis 4. Jahrhundert nach Christus. Diese hat man in England gefunden, wo die
ergiebigsten Zingruben Europas waren.
Im 9. Jahrhundert wurde Zinn neben Gold und Silber als
Material fuer Kirchengeraet zugelassen. Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich
Zinn immer mehr als Geschirr in burgerlichen Haushalten durch.
In dieser Zeit bildeten sich die ersten Zuenfte, in
manchen Gegenden auch Gilden, Gewerke, AEmter oder Zechen genannt. Ein Grund
fuer den Zussamenschluss war die Notwendigkeit, sich vor der Konkurrenz zu
schuetzen, die durch die aus der Leibeigenschaft entlaufenen bzw. entlassenen
Handwerker entstand, welche aus den Doerfern in die Staedte zogen. Zwar gab es
auch schon frueher Zusammenschluesse von Handwerkern, jedoch waren dies
Vereinigungen mehrerer artverwandter Berufe. z B. Schmiede, Glockengiesser,
Uhrmacher und Guertler.
Wann und wo die erste eigenstaendige Zinngiesser- oder
Kannengiesserzunft entstand, laesst sich nicht nachweisen, sodass noch 1698 der
wortgewaltige Prediger Abraham a Santa Clara aeussern konnte: “Die Arbeit und
das Handwerk dieser Leute ist sehr sauber, gut und nutzlich, wann es aber
seinem Anfang genommen, wissen sie es selbsten nicht". |